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Kurt Hahn
Profil
Kurt Hahn gehört zu den großen Pädagogen des 20. Jahrhunderts.
Seine Bedeutung und anhaltende Wirkung beruht vor allem auf der Stärke
und Ausstrahlung seiner Persönlichkeit, seines pädagogischen Gedankengutes
und der Gründung vieler pädagogischer Einrichtungen.
Mit der Gründung Salems im Jahre 1920 - zusammen mit dem Prinzen Max von
Baden - wollte Kurt Hahn eine Erziehungsbewegung ins Leben rufen, die der einseitig
akademischen Bildung des Gymnasiums die Erziehung des ganzen Menschen entgegensetzen
sollte. Zugleich sollte sie die pädagogischen Voraussetzungen schaffen,
junge Menschen zu politisch verantwortlichen Bürgern heranzubilden. Salem
und die daraus hervorgehende Erziehungsbewegung sollten Modelle abgeben für
eine grundlegende Reform des staatlichen Schul- und Bildungswesens.
Im Mittelpunkt
standen dabei nicht Unterricht und Belehrung, sondern - das schöne altmodische
Wort ist hier am Platz - Charakterbildung im Sinne einer Erziehung zur Verantwortung
und eines Lernens und Forschens, das durch unmittelbare Erfahrung, durch praktisches
Denken und vor allem helfendes Handeln gekennzeichnet ist. Jedes Kind sollte
sich selbst erkennen und seine "grande passion" entdecken können.
Und da Einsichten und Einstellungen vorwiegend im sozialen Zusammenhang erworben
werden, musste das Schul- und Gemeinschaftsleben eine besondere Rolle spielen.
In fünf Jahrzehnten - zwischen 1920 und 1970 - schuf Kurt Hahn eine internationale
Erziehungsrepublik, die wohl ihresgleichen nicht hat. Heute erstreckt sie sich
über fünf Kontinente und reicht von weltberühmten Internatsschulen
wie Salem und Gordonstoun - wohin sich Hahn 1933 nach seiner Verbannung wandte
- über Leistungsabzeichen wie den Duke of Edinburgh Award und Hochschulstipendien
wie den Trevelyan Scholarships bis hin zu den Outward Bound Schools und den
United World Colleges - insgesamt sechzig Schulen und Einrichtungen, an deren
Aktivitäten sich jedes Jahr mehr als einhunderttausend Jungen und Mädchen
beteiligen.
Noch Ende der 60er Jahre war Hahn an der Konzeption des IB (International
Baccalauréat) beteiligt, eines internationalen Oberstufenkurses, der
inzwischen in 70 Ländern anerkannt ist und als einziger Sekundarabschluss
weltweit seinen Schülern wöchentliche Sozialdienststunden nach Hahns
Vorstellungen obligatorisch abfordert.
Mit der Gründung des Salem International College, einem internationalen
Oberstufeninternat nach dem Vorbild der United World Colleges und mit dem International
Baccalauréat als akademischem Kern, hat Salem im Jahr 2000 die Modernität
der Ideen Hahns eindrucksvoll gestärkt und belegt.
Kurt Hahn
Zeittafel
| 1886 |
5. Juni: Kurt Hahn als Sohn des Industriellen Oskar Hahn und seiner Frau
Charlotte, geb. Landau, in Berlin geboren. Drei Brüder. Erziehung im
jüdischen Glauben |
| 1904 |
Abitur am humanistischen Kaiser Wilhelm Gymnasium. Studium vor allem der
Philosophie und Philologie in Berlin, Heidelberg, Freiburg, Göttingen
und Oxford (Christ Church) |
| 1914 |
im Ersten Weltkrieg als Englandexperte und politischer Referent für
das Auswärtige Amt und die Oberste Heeresleitung tätig. Auch politischer
Vertrauter des Reichskanzlers Prinz Max von Baden |
| 1919 |
Gründungsinitiator der zeitweise politisch sehr einflußreichen
Heidelberger Vereinigung. Teilnahme an der Friedenskonferenz in Versailles
als Berater u. a. für Außenminister Graf Brockdorff-Rantzau |
| 1920 |
Mitgründer der Schule Schloss Salem, später Eröffnung der
Zweigschulen Hermannsberg, Spetzgart, Hohenfels, Birklehof |
| 1923 |
Mitinitiator des Instituts für auswärtige Politik, Hamburg |
| 1932 |
Stellungnahmen gegen die nationalsozialistische Gewaltpolitik |
| 1933 |
Verhaftung durch die Nationalsozialisten, Verbannung aus Baden, Emigration
nach Großbritannien |
| 1934 |
Gründung der British Salem Schools in Gordonstoun/Schottland, später
Eröffnung der Zweigschulen Wester Elchies und Altyre. Während
des Krieges Evakuierung nach Wales |
| 1938 |
britischer Staatsbürger |
| 1941 |
Gründung der ersten Kurzschule, der Outward Bound Sea School in Aberdovey/Wales,
heute gibt es weltweit ca. 30 offizielle Kurzschulen |
| 1945 |
Übertritt in die Anglikanische Kirche |
| 1949 |
Mitinitiator von weiteren
Internatsschulen, z. B. Anavryta/Griechenland, Louisenlund/Bundesrepublik
Deutschland, später Battisborough/Großbritannien, Athenian School/USA.
Gründung der American-British Foundation for European Education, Gründung
der Deutschen Gesellschaft für Europäische Erziehung, um Schülerstipendien
bereitzustellen, Tagesheimschulen und Kurzschulen ins Leben zu rufen |
| 1953 |
Rücktritt als Leiter von Gordonstoun, Heimkehr auf den Hermannsberg
bei Salem |
| 1956 |
Gründung des Duke of Edinburgh Award, eines Leistungsabzeichens,
um das sich jährlich 100000 Jugendliche in fast 50 Ländern der
Welt bewerben |
| 1958 |
Einrichtung der Trevelyan Scholarships, besondere Studienstipendien für
Oxford und Cambridge |
| 1962 |
Gründung des ersten United World College, des Atlantic College in
St. Donat's Castle/Wales, heute gibt es Oberstufenkollegs auch in Kanada,
Singapur, USA und Italien |
| 1963 |
Mitbegründer der
Medical Commission on Accident Prevention/London, einer Institution, die
sich im Sinne angewandter Wissenschaft der Unfallverhütung, Ersten
Hilfe und Lebensrettung widmet |
| 1974 |
am 14. Dezember gestorben, beigesetzt in Salem |
Kurt Hahn
Ehrungen Kurt Hahns
- Ehrendoktorwürde der Universitäten Edinburgh, Göttingen,
Tübingen und Berlin
- Großes Bundesverdienstkreuz Bundesrepublik Deutschland
- Freiherr vom Stein Preis, Hamburg
- C. B. E., Großbritannien
- Professor Land Baden-Württemberg
- Foneme Preis, Mailand.
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