PORTRÄT

Kurt Hahn

Kurt Hahn gehört zu den großen Pädagogen des 20. Jahrhunderts. Seine Bedeutung und Wirkung beruht vor allem auf der Stärke und Ausstrahlung seiner Persönlichkeit, seines pädagogischen Gedankengutes und der Gründung vieler pädagogischer Einrichtungen.
Mit der Gründung Salems im Jahre 1920 hat Kurt Hahn eine Erziehungsidee ins Leben gerufen, die der einseitig akademischen Bildung des Gymnasiums die Erziehung des ganzen Menschen entgegensetzt.

Ziel war es, unterstützt aus den Erfahrungen des 1. Weltkrieges, junge Menschen zu politisch verantwortlichen Bürgern heranzubilden. Im Mittelpunkt der Pädagogik standen nicht Unterricht und Belehrung, sondern

  1. die Charakterbildung im Sinne einer Erziehung zur Verantwortung,
  2. ein Lernen und Forschen, das durch unmittelbare Erfahrung und durch praktisches Denken geprägt sowie
  3. ein Lernen, das durch helfendes Handeln gekennzeichnet ist.

Jedes Kind soll die Chance haben, sich selbst zu erkennen, um seine „grande passion“ entdecken zu können. Einsichten und Einstellungen werden vorwiegend im sozialen Zusammenhang erworben, somit spielt das Schul- und Gemeinschaftsleben eine besondere Rolle.

In fünf Jahrzehnten – zwischen 1920 und 1970 – etablierte Kurt Hahn seine Pädagogik in den verschiedensten Formen. Über fünf Kontinente erstrecken sich die Ergebnisse seines pädagogischen und unternehmerischen Handelns.

Beispiele sind die Internate Schule Schloss Salem und Gordonstoun, die United World Colleges, die Vereinigung der Round Square Schule und Outward Bound. So sind es ca. 60 Schulen und Einrichtungen, an deren Aktivitäten sich jedes Jahr mehr als einhunderttausend Jungen und Mädchen beteiligen.

Ende der 60er Jahre war Kurt Hahn noch an der Konzeption des IB (International Baccalauréat) beteiligt, eines internationalen Oberstufenkurses, der inzwischen in 70 Ländern anerkannt ist.

Mit der Gründung des Salem International College, einem internationalen Oberstufeninternat und mit dem IB als akademischem Kern, hat Salem im Jahr 2000 die Modernität der Ideen Hahns eindrucksvoll gestärkt und sie neuzeitlich interpretiert.

Kurt Hahn hat seine pädagogischen Ideen und Erziehungsideale in sieben nach wie vor aktuellen Gesetzen formuliert:



SALEMER-GESETZE NACH KURT HAHN



1.
Gebt den Kindern Gelegenheit, sich selbst zu entdecken.



2.
Lasst die Kinder Triumph und Niederlage erleben.



3.
Gebt den Kindern Gelegenheit zur Selbsthingabe an die gemeinsame Sache.



4.
Sorgt für Zeiten der Stille.



5.
Übt die Phantasie.



6.
Lasst Wettkämpfe eine wichtige, aber keine vorherrschende Rolle spielen.



7.
Erlöst die Söhne und Töchter reicher und mächtiger Eltern von dem „entnervenden“ (=verweichlichenden) Gefühl der Priviligiertheit.

EHRUNGEN KURT HAHNS

  • Ehrendoktorwürde der Universitäten Edinburgh, Göttingen, Tübingen und Berlin
  • Großes Bundesverdienstkreuz Bundesrepublik Deutschland
  • Freiherr vom Stein Preis, Hamburg
  • C. B. E., Großbritannien
  • Professor Land Baden-Württemberg
  • Foneme Preis, Mailand

ZITAT VON GOLO MANN

“Nirgendwo steht geschrieben, dass die Kinder wohlhabender Eltern geeigneter sein müssen, als jene weniger Begünstigter. Der wäre ein Narr, der solches behauptete. Nur: auch und gerade eine Privatschule sollte die ganze Gesellschaft, so wie sie gegenwärtig ist, repräsentieren, nicht nur die obersten Steuerklassen.“ …
Golo Mann, Altsalemer, Abitur 1923

Golo Mann schreibt der Kurt-Hahn-Stiftung ins Gründungsbuch

Wenn ein Ur-Altsalemer, Abitur 1923, hier kurz das Wort ergreift, so darum, weil das Unternehmen, um das es ihm geht, hoffnungsvoll erscheint.

Die Salemer Schulen gehören heute - heute wieder - zu den blühendsten ihrer Art: die "besten" darf ich sie nicht nennen, solche Superlative sind ja wohl unerlaubt. Dass neben der gewaltigen Mehrheit staatlicher Schulen auch private sein sollen, ist eine wohl von niemandem mehr im Ernst bestrittene Erkenntnis. (...) Eine Privatschule bedarf eines Vermögens. Für die alten englischen Public Schools, für die berühmten "Prep-Schools" und Colleges der Vereinigten Staaten ist das eine Selbstverständlichkeit. In Deutschland nicht und auch für Salem nicht. Hier bringt die neue Stiftung eine grundlegende Veränderung: Sie wird das Recht haben, Kapital anzusammeln. Wer ihr gibt, weiß, dass er für etwas Bleibendes gibt; beiträgt wie viel oder wenig auch immer, zu einer Summe, deren Zinsen dauern und zukünftigen Zwecken dienen (...).

Nirgendwo steht geschrieben, dass die Kinder wohlhabender Eltern geeigneter sein müssen, als jene weniger Begünstigter. Der wäre ein Narr, der solches behauptete. Nur: auch und gerade eine Privatschule sollte die ganze Gesellschaft, so wie sie gegenwärtig ist, repräsentieren, nicht nur die obersten Steuerklassen. Und unsere Gesellschaft ist keine hierarchisch aufgebaute mehr, wie die englische im 18. und 19. Jahrhundert; eine Grundbedingung, der auch Eton und Harrow sich nach Kräften angepasst haben. Daraus folgt: je mehr Stipendien, desto besser. Jede Schule, Staat in Miniatur, braucht eine Elite. Jene, die zu ihr gehören, dürfen es gar nicht wissen, sie ergibt sich diskret und auf natürlichstem Weg. Es ist die Elite, die den guten Geist des Instituts trägt und fortentwickelt. Sie kann heute nur noch von überall herkommen; von Studierenden, deren Eltern klingende Namen haben, und von jenen bescheidener Herkunft. Je unabhängiger eine Privatschule im finanziellen ist, desto näher wird sie diesem Idealziel kommen.